SO FING ES AN


Basel ist eine Kulturstadt. Basel ist eine schöne Stadt. Basel ist auch eine Industriestadt. Grosse Pharmakonzerne sind die Pfeiler des städtischen Wohlstands. Von Zeit zu Zeit schließen sie sich zusammen, spalten ganze Unternehmensteile ab, unternehmen einen Beutezug im fernen Ausland, gefräßig und unersättlich, und erstrahlen immer wieder in neuem Glanz.

Bei der Lektüre der Berichterstattung über eine Auslandsakquisition fragte ich mich, was wohl geschehen würde, wenn der Konkurrent auf der anderen Seite des Rheins sich einmischte und ebenfalls Lust auf die Beute verspürte. Was würde den Unternehmensleiter dazu bewegen, einen Gegenangriff zu starten? Welche Psyche regiert sein Handeln? Wie reagiert der andere Konzern darauf?

Die Problematik fesselte mich zusehends. Jeder Zeitungsartikel über den Fortschritt der Übernahme, über die Reaktion der Börsenkommission, über Auflagen der Wettbewerbsbehörden beflügelte meine Fantasie. Eines Abends fing ich an, meine Gedanken in einem Notizbuch aufzuzeichnen. Daraus könnte ein Buch werden...
Der Name für die Hauptfigur, Unschalk, war bald gefunden. Un-schalk, eine strenge Persönlichkeit ohne jeden Schalk, auch ohne Vornamen. Eine Persönlichkeit aus einfachsten Verhältnissen, der Pflichterfüllung und Erfolg, besser sein als die Anderen seit früher Jugend Lebensmaximen geworden sind. Anders sein Gegenspieler, der elegante Jean Delarive. Ihm sind kulturelle Werte wichtiger, aber er führt sein Unternehmen gleichwohl mit sicherer Hand.

Andere Akteure müssen auftreten. Das ungleiche Brüderpaar DiNero als Gegenpole zu den beiden Unternehmern. Vico, der Bankier in Zürich, ist mit Unschalk befreundet, sein Bruder Pasquale, Geschäftsmann in Florida, mit Jean Delarive. Die Frauen der Geschichte stehen ihren Männern entweder zur Seite oder im Weg. Ich zeichne die verschiedenen Protagonisten je nach Wichtigkeit unterschiedlich, teils in allen Einzelheiten, teils bloß als Schattenrisse.

Die erste Fassung des Buches wurde vor einigen Jahren geschrieben. Später habe ich sie überarbeitet und gekürzt – ich hasse langfädige Geschichten. Unschalk wird krank, wahrscheinlich Alzheimer. Ich habe mich mit dieser schlimmen Krankheit beschäftigt, wissenschaftliche Publikationen studiert und mich mit der aufopfernden Tätigkeit der → Schweizerischen Alzheimervereinigung vertraut gemacht. Unschalk vergisst, verwechselt Personen und Orte und begeht unsinnige Handlungen. Ich lasse ihn den ganzen Weg absolvieren bis zum unvermeidlichen Ende, aus dem er doch endlich frei von Zwängen hervorgeht.

Auch dieser Roman hätte nicht ohne tatkräftige Unterstützung den Weg zum Publikum gefunden. Dr. Valentin Herzog, Germanist und Leiter der ARENA Literaturinitiative in Riehen, hat das erste Manuskript gelesen und mir höchst wertvolle Anregungen zur Sprache und zur neuen deutschen Rechtschreibung vermittelt; herzlichen Dank, Valentin. Meiner Frau Jolanta Samochowiec Mathys danke ich für die liebevolle und dennoch kritische Durchsicht des Textes; sie war mir die wichtigste moralische Stütze bis zur Fertigstellung des Werkes. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Frieling-Verlags danke ich für die Flexibilität, mit der sie meine Wünsche mit den verlegerischen Notwendigkeiten zur Übereinstimmung gebracht haben.