FÜR NEUGIERIGE

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Leseprobe



Michael Kellenberger lehnte sich zurück. Wie stets, wenn ihn etwas beschäftigte, ließ er den Blick über den Rhein schweifen, der jetzt unter einer blassen Aprilsonne gelblich glänzend dahinzog. Die Fähre an ihrem Leitseil kroch unendlich langsam ans ferne Ufer, verfolgt von ihrem eigenen Schatten auf dem trägen Wasser. Während er ihr nachschaute, nahm langsam eine Idee Form an. Er sagte:

„Ich möchte etwas mit Ihnen besprechen, Vadim, aber unter vier Augen, wenn Sie einverstanden sind.“

Der Litauer nickte unmerklich und machte eine rasche Handbewegung nach links. Tablisi erhob sich wortlos und verließ den Raum. Kellenberger fuhr fort:

„Bis morgen Nachmittag erhalten Sie Ihren Vertrag, Vadim. Aber ich möchte diesmal kein Honorar. Hingegen nimmt mich Wunder, ob Sie mir in einer äußerst delikaten Angelegenheit helfen können.“

„Natürlich.“ Brasaukas klang leicht indigniert, weil das Hilfeersuchen in Frageform ausgesprochen wurde. „Was ist das Problem?“

Kellenberger gab sich einen Ruck. „Ich wurde erpresst von einem Steuerbeamten. Er hat mir zwei Millionen Franken abgenommen. Ich möchte, dass er sie mir zurück gibt. Freiwillig, verstehen Sie.“

Vadim Brasaukas schmunzelte. „Ich verstehe sehr gut. Wer ist der Kerl? Wo finden wir ihn?"
Der Anwalt gab ihm alle Informationen über Matter, die ihm zur Verfügung standen und beschrieb ihn: rundes Gesicht, leicht vorstehende Augen, Halbglatze, Hang zur Beleibtheit, exzentrische Kleidung, Wohnadresse unbekannt.

„Macht nichts. Wir finden ihn“, erklärte der Litauer. „Und dann?“